Patenbitten am 21. Oktober 2000

Artikel der Landshuter Zeitung vom 26. Oktober 2000

Viele Hürden bis zum erlösenden "Ja"

Patenbitten der Feuerwehr Prinkofen erwies sich als schwierige Angelegenheit

pb_36_1 Langenhettenbach/Prinkofen. In Abwandlung eines Sprichwortes kann man auch sagen: Ein großes Ereignis wirft seine "Qualen" voraus. Die Vorstandsmitglieder der Feuerwehr Prinkofen mussten anlässlich des Patenbittens bei der Nachbarwehr Langenhettenbach so einiges durchstehen. Die Feuerwehr Prinkofen feiert nämlich im nächsten Jahr vom 22. bis 24. Juni ihr 125-jähriges Gründungsfest. Dazu gehört neben der Festmutter Maria Wittmann und den auserkorenen Festdamen nun auch ein Patenverein. Dabei fiel auf Anhieb die Wahl auf die Nachbarwehr. Doch es war zuerst das große Fest des Patenbittens fällig.

pb_17_1 Die Langenhettenbacher Wehr zog angeführt von einer Abordnung der Stadtkapelle Rottenburg in geschlossener Formation mit Taferlbuben, Fahnenabordnung, Festdamen und der Fahnenmutter Hermine Zierer zum Transportunternehmen Radlmeier, um von dort die Männer der Prinkofener Wehr mit Festdamen und ihrem Anhang zum Festlokal Huber-Falter zu geleiten. Doch zur großen überraschung war der Zugang zum Wirtshaus mit einem 35 Zentimeter starken Föhrenstamm verrammelt. Neben dem Vorsitzenden der gastgebenden Wehr, Robert Rengstl, waren auch unter anderem die Festmutter Maria Wittmann, der mit einem Schirm ausgerüstete Schirmherr Bürgermeister Franz Diener mit Gattin, die Vorsitzenden Josef Summer und Willi Wittmann, die Kommandanten Willi Eichstetter und Günther Rohrmeier, der Vorsitzende des Festausschusses Franz Hanusch, die heimische Fahnenmutter Hermine Zierer und die Marktgemeinderäte Heinrich Lehner und Albert Langgartner gekommen. Rengstl gab zu verstehen, dass der Eingang zum Gasthaus erst freigegeben werde, wenn das Hindernis zweimal durchsägt sei und legte dabei die Paare Hanusch und Diener wie auch Festmutter Wittman und Vorsitzenden Summer fest. Franz Hanusch konnte beim Anblick seines Partners einen spontanen Seufzer nicht unterdrücken und meinte skeptisch: "Wenn dies mit dieser rot-schwarzen Koalition nur gut geht." Zudem entfuhr es ihm, dass so eine harte Arbeit erst nach einer vorangegangenen Stärkung aufgenommen werden könne. Schon hatten seine Mannen in einem Leiterwagerl ein Fass Bier herangeschafft. Hanusch zapfte an und die vorherbestimmten Akteure nahmen einen kräftigen Schluck Schaum, ehe sie die große Säge ergriffen. Und siehe da, die "Rot-Schwarzen" lagen schließlich sogar um Zehntel voraus.

pb_29_1Vor vollbesetztem Saal nahm Rengstl den Prinkofenern das Versprechen ab, dass sie weiterhin über einen geziemenden Durst verfügen und treu zu ihrem Nachbarn und künftigen Paten stehen würden. Auf der von Heinz Lemke dekorativ gestalteten Bühne äußerte ein Quartett von Feuerwehrleuten aus Prinkofen in Gstanzlform, wie gerne sie zu den "grübigen Hembeckern" gekommen sind. Festmutter Maria Wittmann nahm in ihren Vierzeilern so manchen "Hembecker" auf den Arm, schonte aber auch ihre eigenen Leute nicht.

pb_33_1Schirmherr Diener stellte fest, dass man über die Langenhettenbacher nur Gutes höre und so sollten sie sich nicht lange zieren. Trotz dieser Schmeichelei blieben die "Hembekker" hart. Vorsitzender Summer versuchte es nun mit Bestechung. Er ließ ein Fass Bier und Körbe voller Schmalzgebackenem und Feuerwasser heranschleppen. Aber auch dies half nichts. Auf der Bühne lag ein Balken mit scharfer Kante. Rengstl zwang die Prinkofener Bittsteller in die Knie. Abwechselnd lobten die Gepeinigten in scheinheiligen Versen den Zusammenhalt und das zünftige treiben in "Hembo". Vorsitzender Rengstl tadelte jedoch die "schlampige Knieerei" und bemängelte, dass das Fassl höchstens zehn Liter fassen würde. Und schon war ein Balken, gespickt mit Nägeln, aufgestellt. Auf der Kante knieend mussten die Bittenden nun mit der Spitze von Zimmererhämmern die Nägel ins Holz treiben.

pb_16_2Nun versuchten es die feschen Prinkofener Festdamen mit ihrem Sirenengesang "Ja, sagts einfach 'ja' zu uns". Kathrin Hanusch wollte den Hembecker Vorsitzenden gar noch mit der Übergabe eines "Einsatzradls" weich klopfen. Dieser drehte auf dem alten Drahtesel geschickt eine Runde im Saal. Rengstl lobte die gekonnten Gesangseinlagen der Damen, erinnerte aber an die Prinkofener Schlagerparade und alle stimmten ein in den Hit "Ein bisschen Haushalt, sagt mein Mann". Der Tortur nicht genug, mussten die Gefolterten auch noch aus auf einem Brett befestigten Bechern zugleich "Likör" trinken. Dieser muss scheußlich geschmeckt haben, was an den verzerrten Gesichtern abzulesen war.

pb_22_2Nun endlich sprach Rengstl das erlösende "Ja" und gab seiner Hoffnung auf ein gutes Gelingen des Gründungsfestes und auf weitere nachbarliche Freundschaft zum Ausdruck. Zu fortgeschrittener Stunde ließen sich drei Jungfeuerwehrmänner auf eine Wette ein. Sie wollten 15 Minuten lang knieend auf dem "Scheitl" ausharren, was ihnen nicht gelang. Nun stellten sich die Festdamen aus Prinkofen wie aus Langenhettenbach dem Publikum noch persönlich vor, ehe Karl Stempfhuber, Prinkofen, und Fritz Strohmeier, Langenhettenbach, zum abschließenden Gstanzlduell antraten. Beide besangen so manch wahre Begebenheit aber auch viel Schabernack.